Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Fortbildung - Werkstattberichte

 

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Alexa Hahn

Der Körper - Wegbegleiter in der Kontemplation

Fortbildungskurs der WFdK: 06.09. - 09.09.2011, Benediktushof Holzkirchen, Kursleitung: Barbara Schenkbier, Assistenz: Elisa-Maria Jodl

Ein Werkstattbericht

Autorin: Alexa Hahn

Die WSdK-Tagung vom 6. bis 9. September 2011 wurde geleitet von Barbara Schenkbier mit der Assistenz von Elisa-Maria Jodl. 14 Personen bildeten in den drei Tagen eine wohltuende Gruppe, die – von der besonderen Atmosphäre des Gewölbesaals am Benediktushof inspiriert – diesen zunehmend mit ihrer Energie anfüllte. Absagen in letzter Minute waren z. B. auf das in Italien streikende Bahnpersonal zurückzuführen. Neben Mitgliedern und LehrerInnen der WSdK gab es auch kontemplative Menschen „von außerhalb“, für die ein Aufenthalt auf dem Benediktushof eine relativ junge Erfahrung darstellte.

Barbara Schenkbier stellte uns in der Fortbildung vier Schritte zur spirituellen Erfahrung im Yoga vor. Um dieses thematische Gerüst rankten sich in fließen den Übergängen: gehaltvolle Vorträge, poetische Texte, praktische Übungen aus dem Yoga, Atem-Erfahrungen, Heilgebärden, Fallbeispiele, Dialoge und Austausch in der Gruppe und immer wieder – angereichert durch die vorangegangenen energetischen Prozesse – Kontemplation.

Dem Kurstitel gemäß möchte ich den Werkstattbericht mit dem Fokus auf die körperlichen bzw. leiblichen Ansätze abfassen. Zur Vertiefung sei auf Barbara Schenkbiers Bücher, sowie auf den in diesem Heft abgedruckten Vortrag „Über das Bewusstsein des Körpers“ verwiesen.

Erster Schritt: Aufrichtung

„Wie kann ich Menschen begegnen, dass ich sie aufrichte?“

Mit Barbaras Eröffnungsfrage fühlte ich mich sofort doppelt angesprochen: als Übende auf dem kontemplativen Weg und als Mittlerin, Begleiterin, Lehrerin. Hiermit waren wir mittendrin in einer echten WSdK-Fortbildung. „Was brauchst Du, um aufgerichtet zu sein?“ Die gesammelten Antworten in dieser kreativen Vorstellungsrunde ergaben einen Blick in den Garten Eden: Harmonie, Liebe, Freude, Klarheit, eine Umarmung, Frieden, Vertrauen, angstfrei sein, um nur einige Begriffe zu nennen. Später tauchten all diese Komponenten wieder auf in dem Vortrag über „Das Licht des Körpers“.

Mit einem kinesiologischen Test demonstrierte Barbara sehr eindrücklich, wie viel Einfluss wir durch unsere Haltung auf andere nehmen.

Aufrichtung ermöglicht eine verbesserte Haltung, Flexibilität, Präsenz, einen ungehinderten Energiefluss. In diesen Worten schwingt mit, dass Aufrichtung mehr beschreibt als einen körperlichen Vorgang. Wir nehmen Energie wahr, wenn wir uns vertikal ausrichten, in den Raum über uns und in die Erde unter uns. Öffnen wir uns außerdem aus dem Herzraum in horizontaler Richtung, ergibt sich eine Kreuz-Erfahrung. In der Übung verändert sich der Körper subtil. Feinstofflichkeit wird erfahren. Räumliches Gespür meldet: Alles schwingt. Barbara bereitete den Weg für uns mit Yoga-Übungen aus den Bereichen: Entspannung, Dehnung, Atem, Drehen, Beugen und Umkehrhaltungen. Nahtlose Übergänge in die Kontemplation ließen die Nachwirkungen intensiv wahrnehmen.

Menschen auf dem Yoga-Weg erleben auf der ersten Stufe einen psychischen Schub, der sich in Ruhe, Klarheit und Willenskraft äußert. Dazu gehört auch die Disziplin des regelmäßigen Übens, die sich immer mehr in ein Bedürfnis des vertiefenden Übens wandelt.

Auf dem kontemplativen Weg kommen Dinge zutage, die im Unbewussten geschlummert haben. Unbewusstes kann nicht aufrichten. Die Entdeckung der individuellen Persönlichkeit erfordert Schattenarbeit und klare Zielsetzungen. Physische und mentale Aufrichtung bewirken Leichtigkeit, Bescheidenheit und Reduktion (auch im Verbrauch von Nahrungsmitteln und Konsumgütern). Feinstofflichkeit und Energiefluss kann bewusst wahrgenommen werden.

Die körperliche, die psychische und die Ebene des Bewusstseins sind miteinander verschränkt und bedingen einander. Eine Verschränkung finden wir ebenfalls bei den Trigunas. Diese drei Kräfte werden auch als Urstoffe, Seelenschichten oder Eigenschaften bezeichnet. Tamas bezieht sich auf die träge biologische Masse und das Geerdet-Sein. Es ist ein innerer Beweger. Rajas beschreibt die mentale Aufrichtungskraft und die ekstatische Energie. Sattvas steht in Verbindung mit den anderen zwei Gunas und beinhaltet die inspirative Intelligenz und die spirituelle Energie. Mit anschaulichen Beispielen brachte uns Barbara die Zusammenhänge dar. Gekrönt war die Erklärung von einer humorvollen pantomimisch-allegorischen Darstellung der Gunas. Unvergesslich!

Zweiter Schritt: Harmonisierung

Die Harmonisierung der Wirbelsäule beinhaltet eine Dehnung und Kräftigung der Muskulatur, in der Beweglichkeit werden die Freiheitsgrade erhöht. Der Kreislauf wird stabilisiert und die Nervenplexi angeregt.

Für das Selbstbewusstsein heißt es in dieser Phase des Lernens, dass unsere Identitätswahrnehmung sich ebenso verfeinert wie unsere sozialen und empathischen Fähigkeiten. Durchsetzungskraft kann wachsen. Eine Klarheit in der Lebensführung entsteht. „Was stärkt unsere Energiefelder?“ fragte Barbara in diesem Zusammenhang. Stärkend sind: reine Natur, Sonnenlicht, Mantren, positive Affirmationen, Fröhlichkeit, Optimismus, Geselligkeit in guter Gemeinschaft, Zufriedenheit und inneres Engagement. Schwächend wirken: Elektrosmog, Nachrichten, die meist negativ sind, aggressive Musik, negatives Denken, Verbitterung, Groll und Angst.

In unserer Yoga-Praxis kristallisierten sich mittlerweile verschiedene Phasen heraus: Mit der suggestiven Wahrnehmung bereiten wir uns vor und stellen uns ganz auf die Yoga-Übung ein. Wenn im Meditations-Sitz ein Durchströmt-Sein zu spüren ist, heißt das: die Energiekanäle sind frei, die neue Haltung (Asana) kann eingenommen werden. Ohne Anstrengung ganz in der Haltung zu sein, ist eine hohe Kunst. Ahimsa heißt das Zauberwort: ohne Anstrengung, ohne Gewalt. Am Ende der Haltung können wir bewusst die geschenkte Energie mitnehmen und in uns wirken lassen.

Auf der Bewusstseinsebene beginnt in der Entwicklungszeit der zweiten Stufe die Annahme des wahren Selbst. Mit der Integration der Übung im Alltag lernen wir zunehmend anzunehmen, was ist, und loszulassen, was nicht mehr stimmig ist. Feinstoff-Energie wird durch Schuldgefühle, falsches Denken, unerfüllte Träume und hinderliche Glaubenssätze gestört. Eine Kleingruppenarbeit sollte unsere Einstellungen zu einigen Lebensfragen beleuchten. Nach zögerlichen Reaktionen ergaben sich fruchtbare Gespräche über Erfüllt-Sein, Frei-Sein, Motivation und Begeisterung.

Fünf kontemplative Runden mit Tönen und meditativem Gehen boten ein intensives feinstoffliches Vertiefungs-Forum.

Dritter Schritt: Aktivierung der Lebenskraft

Unter diesem Gesichtspunkt betrachten wir die Stärkung des Immunsystems und der Körperausdauer sowie die Wirkung von Prana. Das Kultivieren dieser Lebenskraft ist immens wichtig für die Entwicklung unserer Selbstheilungskräfte. Prana hilft uns, Feinstofflichkeit und Energiefluss wahrzunehmen. Nur so kann Transformation geschehen. Auf der Bewusstseins-Ebene steht die Entfaltung der Persönlichkeit im Mittelpunkt, ebenso wie die Bereitschaft zur Selbstreflexion und zum lösungsorientierten Denken. Aus Zeiten der ersten Schritte im Yoga kennen wir Möglichkeiten der Energiewahrnehmung. Diese Fähigkeit prägt sich immer differenzierter aus im Sinne von Energieerfahrungen. Eine entscheidende verbindende Rolle zwischen Körper und Bewusstsein hat der Atem. Die Hathayoga-Pradipika, eine klassische Yogaschrift, sagt dazu: „Wenn der Atem wandert, dann ist der Geist unruhig. Aber wenn der Atem still ist, ist es auch der Geist.“

Im Yoga wird an der Harmonisierung des Atems mithilfe des Pranayama gearbeitet. Dabei geht es um eine bewusste Regulierung des Atemrhythmus` und der Atemtiefe durch achtsames und dauerhaftes Üben. Über den Atem entsteht Energie, die sich als Prana, als Lebenskraft, manifestiert. Prana ist die Bewegung des Bewusstseins. Je reiner das Bewusstsein, desto reiner das Prana. Im Pranayama wirkt die Verschränkung der Grundenergien Tamas, Rajas und Sattvas harmonisierend auf unseren Feinstoffkörper. Spirituelle Energie kann in Fluss kommen, Atem geht über in den stillen Fluss des Seins.

„Atme, als würdest Du auf einen Tiger zugehen!“

Mit diesem Yoga-Zitat erinnerte uns Barbara bei den praktischen Übungen an die notwendige Achtsamkeit und Wachheit. Für einige Teilnehmende war es eine ungewohnte Methode, mit dem Atem umzugehen. Zeigte sich die Wirksamkeit zunächst auf irritierende Weise, so wurden nach intensiver Übung und dem Nachspüren in der Kontemplation allgemein wohltuende und belebende Auswirkungen von der Gruppe rückgemeldet.

Vierter Schritt: Vertiefung

Auf feinstofflicher Ebene wird das „Licht des Körpers“ erfahren: durchströmende Qualitäten, die im Yoga stihra, sukha und yioti genannt werden und im weitesten Sinne mit Kraft, Energie und Licht übersetzt werden können. Wachsende Gelassenheit fördert ein tiefes Vertrauen in den Weg und damit auch in eine ganzheitliche Lebensweise, die nicht nur durch Willenskraft, sondern hauptsächlich vom Seelenaspekt geleitet wird. Mit Barbaras Worten: „Nach innen lauschen und Schüler der Seele sein!“ Das Bewusstsein ist ganz auf die Einheit ausgerichtet, die Erkenntnis der inneren Wahrheit und das Auflösen von Unwissenheit (Avydia).

„Wir haben ein Fenster zum Universum in uns, das sich öffnen lässt, wenn es mit unserem Inneren in Resonanz tritt.“

Nach einem Vortrag über Kundalini und die sieben feinstofflichen Energiezentren leitete uns Barbara zur praktischen Arbeit mit den Chakren an. Um die eindrücklichen Prozesse noch zu verfeinern, lernten wir, einige einfache Mudras anzuwenden. Diese Fingerstellungen stehen in Beziehung zu den Feinstofforganen und können eine rasche und differenzierte Wirkung zeigen.

Beim letzten Nachspüren in der Fortbildung lächelte eine Dankbarkeit aus all meinen Zellen heraus und resümierte: Der Körper – was für ein Wegbegleiter in der Kontemplation!

Zum Abschluss erfüllte Barbara Schenkbier den Gewölbesaal mit ihrem wunderbaren Gesang. Wir stimmten ein und fließend fügten sich unsere Tanzschritte dazu:

Die ihn lieben, sind wie die Sonne, wenn sie aufgeht in ihrer Kraft. Hineyni Adonai, Hineyni Adonai Hoshieyni Adonai.
In Anlehnung an AT, Richter 5,31b

Alexa Hahn
1957 geboren, verheiratet, 2 Kinder, Schülerin von Willigis Jäger, Lehrerin des WFdK, Kontemplationslinie Wolke des Nichtwissens, Lehrerin an einer Berufsfachschule in Coburg, Atemtherapeutin, Tanzpädagogin. Sitzgruppe im ZENtrum und Kontemplationskreis in St. Moriz
E-Mail: E-Mail,  Internet: Link

 

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