Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Fortbildung - Werkstattberichte

 

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Wieland Gerhardt

Das Tönen – Die Übung des Atems und der Stimme als Weg

Fortbildung der WSdK: 27.01. – 30.01.2005, Benediktushof, Holzkirchen
Kursleiterin: Sofie Klotzbach, Wuppertal

Ein Werkstattbericht

Autor: Wieland Gerhardt

Wer einen Weg gehen will, braucht Füße. Folgerichtig begannen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fortbildungskurses mit Fußarbeit. Wohl keiner war darauf vorbereitet. Eher kamen anfangs Fragen auf wie "Man kann doch nicht zwei und einen halben Tag lang tönen". Nein, wer das erwartet hatte, musste dazu lernen. Füße wurden bearbeitet, geknetet, gedrückt, gezogen und in aufmerksamen Händen geborgen. Frau Sofie Klotzbach aus Wuppertal, Referentin des Kurses, war sich da ganz sicher, dass der Leib, der tönen soll, vorbereitet sein will, und das sehr gründlich. Und wo kann man damit besser beginnen als bei den Füßen, in denen sich unser ganzer Körper abbildet.

Intensivste Leibarbeit war also angesagt, noch bevor der erste Ton zum Klingen kam. Und diese Leibarbeit ging unerwartete Wege: Die Eisenbahn Sch Sch Sch und der Reiter Hop Hop Hop, der Hahn Kikiriki und die rufende Unke aus dem dunklen Sumpf. Das alles kam ziemlich überraschend. Mit Grimassen wurde den Tönen noch vor ihrem Erklingen eine Form gegeben. Dem Atem durch intensive Übungen Kraft verliehen und dann die Losung: Die Form - Die Kraft - Der Ton. Ganz leise kam er, der erste Ton. Nein es war ein Antönen, ein leises Antippen des Tones. Ganz vorsichtig, die Schwelle, wo der Luftstrom zum Ton wird, ertastend. Dazwischen wieder Beckenarbeit, kreisen, kippen und formen. Die Höhlen unseres Leibes erfahren, erspüren, innen wie außen, und schließlich formen wie der Töpfer sein Gefäß formt.

Zum Tönen waren wir gekommen. Unseren Leib haben wir erfahren. Und dann waren auch irgendwann die Töne da, fast wie von selbst, leicht, den Leib erfüllend und gestaltend. Jeder einzelne Ton, der seine Wohnung in unserem Leib hat, wie das N und das M, wie die Vokale U, O, E, I und schließlich uns umhüllend wie eine Mandorla das A. Der Leib wurde ganz Ton und der Ton wurde ganz Leib, urgründig, archaisch, aufrichtend und die horizontalen und vertikalen Ausrichtungen unseres Seins durchmessend. Spannend dann die Wandlung vom E zum O und wieder zum E oder vom U über das I zum E und zurück. Kristallklare Obertöne waren nicht gewollt aber ein unerwartetes Geschenk. Im Finale dann vom U aus den Tiefen des Beckens zum kraftvollen O aus der Mitte des Leibes. Aus dieser Kraft aufbauend das waagerechte E hinter dem Brustbein, das sich zum belebenden I über die Wirbelsäule in die Vertikale erhebt. Und dann das A, das sich ausgehend vom Scheitelpunkt des I den Körper umhüllend zum Boden senkt. So standen wir zum Schluss da: reglos, der Leib innerlich vibrierend, erfasst und erfüllt und widerklingend vom Ton des Seins. Danke Sofie! Es war wunderbar.

Wieland Gerhardt,
Jahrgang 1941, Dipl. Ing. i. R., verheiratet, 2 Kinder, Kontemplationslehrer und Mitglied des Würzburger Forums der Kontemplation e. V. (WFdK), Zenlehrer der Leere Wolke Zen-Linie Willigis Jäger.

Wieland Gerhardt, Joseph-Bauer-Str. 23, 68259 Mannheim, E-Mail

 

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