Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Fortbildung - Werkstattberichte

 

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Ruedi Waldvogel

Bild und Bildlosigkeit auf dem kontemplativen Weg

Fortbildung der WSdK: 29.01.– 01.02.2007, Benediktushof, Holzkirchen
Kursleiter: Franz-Xaver Jans-Scheidegger

Ein Werkstattbericht

Autor: Ruedi Waldvogel

Mit hohen Erwartungen habe ich mich nach der großen WSdK-Tagung in die kleine Gruppe von rund 20 Personen mit Franz-Xaver Jans-Scheidegger begeben. Da in mir die große Zahl von Teilnehmenden an Kursen und Tagungen in Holzkirchen oft ein Gefühl der Verlorenheit erzeugt, genieße ich die Weiterbildungen im kleineren Kreise regelmäßig.

Mein Bezug zum Kursthema ergibt sich aus meinem Werdegang: Herkommend von jahrelanger Leitungspraxis in ignatianischen Exerzitien und in Bibliodrama machte ich vor ca. 10 Jahren die Erfahrung, dass Meditation und dramatische Gestaltung innerer und biblischer Bilder zunehmend einem Eindringen in die Atmosphäre, die Schwingung der Bilder Platz machten. Bilder traten zurück, es blieb ein nicht in Worte oder Metaphern fassbares „Umgriffensein“. Ich beschritt sozusagen einen natürlichen Weg von der Meditation zur Kontemplation. Damit wurde die Zeit reif für Schülerschaft und jetzt Lehrerschaft bei Willigis Jäger und der WSdK.

Und jetzt also das Kursthema von Bild und Bildlosigkeit: toll und spannend! „Hier bekomme ich einen weiten Verstehenshorizont für meine Erfahrung von der Bilderfülle zur Leere!“ So dachte ich – in der Gruppe war ich mit dieser Erwartung nicht allein. Was wir dann bei Franz in einer durch viel Theorie unterstützten Praxis erfuhren, könnte eher so zusammengefasst werden: In den Bildern manifestiert sich die schöpferische Leere! Oder frei nach Meister Eckhardt gesagt: Gott drückt sich aus – ich werde ausgedrückt. Gott wirkt – und ich werde. Willst du eingehen in Gottes Grund und Tiefe, so musst du zuvor eingehen in deinen eigenen Grund und in deine eigene Tiefe. Der Weg vom Bild zur Leere ist keine Einbahnstraße.

Es gibt ein fruchtbares Hin und Her vom Bild zur Atmosphäre, vom Ausdruck zur schöpferischen Kraft, von der Schöpfung zum Geist und umgekehrt. So haben wir uns dann unter Franz-Xavers Führung eingelassen auf die Bilder unserer „Seelengärten“. Im Liegen haben wir die inneren Bilder aufsteigen lassen. Am Tisch haben wir sie gemalt. Wir haben unseren Standort, unseren Eingang, unseren Lieblingsplatz, die gemiedene Stelle und unseren Ausgang aus dem Garten in einen Plan eingezeichnet. Franz-Xaver legte uns aus seiner empirischen Psychotherapieforschung erhärtete typische Plätze, Richtungen und Bildquadranten vor. Ein Stück Theorie, das bei mir zuerst Widerwillen erzeugte. Später verorteten wir uns mit unseren Bildern und Bild- Schauplätzen in diesen Koordinaten selber. Daraus entstand eine dynamische Karte unserer seelischen Kräfte und Ressourcen.

Im Einzelgespräch lernten wir, unsere Potenziale und anstehenden Aufgaben neu zu erkennen – wir erkannten Struktur und Dynamik unseres eigenen Grundes und unserer eigenen Tiefe. Dies hat uns nicht von der Kontemplation weggeführt. Mein eigener Umgang mit während der Kontemplation aufsteigenden inneren Bildern hat sich entkrampft. Wir sind ein „Ausgedrücktes“, in welches sich Gott „ausgedrückt“ hat. Die schöpferische Potenz in ihrer fruchtbaren Leerheit faltet sich aus in meine Gewordenheit, welche sich in Bilder projizieren lässt. Dasein und den inneren Bildern nachspüren heißt aber auch in Beziehung treten zum schöpferischen Grund. Bilder gehören nicht in den Abfalleimer der Illusionen. Bilder „transportieren“ immer auch den bildlosen Grund. Als Abbilder stehen wir immer im Urbild. Das Urbild (paradoxerweise als Leere hinter allen entstandenen Schöpfungen und Abbildern) macht mich frei, Abbild, Geschöpf zu sein, Persona, durch welches das Urbild hindurch tönt und hindurch scheint.

Der theoretische Teil der ganzen Veranstaltung war eine Art großer Teisho zur hin und her schwingenden Dialektik von Form und Leere. Wie heißt es doch im Herz-Sutra: „Form ist Leere und Leere ist Form.“ Oder in christlicher Analogie: Bild ist Geist und Geist ist Bild. In unserem bedingten So-Sein wird das unbedingte Für- Sich-Sein Gottes ständig ausgefaltet und schwingt hin und her. Her zum Bild, hin zum bildlosen Urgrund, her vom bildlosen Urgrund hin zu Bild und Geschöpf. Ein Wellenschlag Gottes. Herzlichen Dank, Franz-Xaver, für diesen im Sitzen, in der Erfahrung, in der Theorie und Philosophie spannenden und weite Dimensionen öffnenden Kurs!

Herzlichen Dank an dich, Klauß Stüwe – du musstest gelegentlich mit der Stoppuhr energisch, aber doch humorvoll für das Zeitbudget eintreten. Herzlichen Dank an euch alle, meine Mit-Gruppenmitglieder – wir sind in diesen Tagen ein gutes Stück zusammengewachsen.

Ruedi Waldvogel,
58 Jahre, verheiratet, drei erwachsene Kinder, Gemeindepfarrer in drei Weinbaudörfern der Nordschweiz, Schüler von Willigis Jäger, Lehrer des WFdK

 

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