Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Aus der Praxis für die Praxis

 

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Manfred Reher

Kontemplation und Handauflegen

Autor: Manfred Reher

„Eines bleibt für mich unfassbar: Wir sind zerbrechlich wie Tongefäße – warum hat Gott uns berufen, Träger der Hoffnung Christi zu sein? Weil das helle Leuchten von Gott nicht von uns kommt.“
(Frère Roger, In allem ein innerer Friede)

Im Jahr 1998 erkrankte ich an Krebs; in diesem Zusammenhang lernte ich verschiedene Entspannungsverfahren kennen und praktizierte diese seitdem täglich im Wechsel (Progressive Muskelentspannung, Visualisierungs-Übungen nach Simonton, Atem-Entspannung u. a.).

Monate vor meiner Erkrankung wurde mir in der Kontemplation (nach mehr als 20 Jahren der Übung) eine tiefe Einheitserfahrung geschenkt, die mir im Nachhinein als große Gnade auf dem Weg der Krankheitsbewältigung erscheint.

Am 21.11.1999 wurde mir der 1. Reiki-Grad nach einer Einweihung verliehen. Seit dem Kennenlernen von Reiki war dies meine ausschließliche Entspannungsübung, die ich täglich zu schätzen wusste. Die Erfahrung war für mich wie eine Art „alternativer Strahlentherapie“, für die ich mich entschieden hatte.

Als ich im August 2000 in den 2. Reiki-Grad eingeweiht wurde, wusste ich, dass ich mit den Symbolen, die für die Mental- und Fernheilung verwendet werden, nicht arbeiten werde; so versuchte ich meinen eigenen Weg zu gehen aus einer Verbindung meiner Erfahrungen in der Kontemplation und des Reiki.

Ich nannte es ab diesem Tag Handauflegen und war sehr erstaunt, auf der folgenden Tagung der Würzburger Schule der Kontemplation (WSdK) mehreren Menschen begegnet zu sein, die auch über die Erfahrung des Reiki zu ihrem ganz eigenen Weg gefunden haben.

So lernte ich u. a. Anne Höfler kennen, die als Mitglied der Nationalen Vereinigung spiritueller Heiler durch eigene Erfahrungen mit dem Handauflegen ihrer kranken Tochter (Neurodermitis) diesen Weg kennenlernte und jetzt als von W. Jäger autorisierte Kontemplationslehrerin u. a. auch Kurse über Kontemplation und Handauflegen anbietet.

Durch die innere Ausrichtung auf ein göttliches Du, das als Gott in mir spürbar ist, ist für mich persönlich der Weg vom Reiki zum Handauflegen zu verstehen.

„Keine Handauflegung ohne Gebet“ ist ein Grundsatz der Kursarbeit von A. Höfler, der auch meine innere Haltung widerspiegelt. Weitere Grundeinstellungen sind: Der Mensch als Kanal göttlicher Kraft, Vertrauen, Dankbarkeit, Loslassen, Geduld und Liebe (s. a. Anne Höfler, Leg mir die Hand auf).

Beim Handauflegen verwende ich Mantren im Sinne der Kontemplation, wie z. B. „Dein Wille geschehe“ oder „Jesus Christus“, und nehme diese in meinen Atem auf. Ich bitte Jesus Christus und den Schutzengel des „Segens-Empfängers“ (Begriff, der vom evangelischen Pfarrer Ernst Tirpitz aus Bad Salzuflen, einem Reiki-Meister, der auch eigene Symbole aus dem Christentum entwickelte und auch den Namen Handauflegen seitdem verwendet), um Unterstützung. Dann arbeite ich nicht mehr alleine, sondern spüre ein tiefes Eingebunden-Sein in diese große Einheit und Liebe, aus der die Heilkraft fließen kann.

Beim Handauflegen nach christlicher Tradition wird in erster Linie der Geist und die Seele des Menschen berührt und dadurch auch der Körper; so kann das Handauflegen als eine Art kontemplativer Behandlung erfahren werden. Dieses kann z. B. als eine sinnvolle Ergänzung auf dem Weg durch die Psychotherapie erlebt werden.

Erfahrungen der Einheit, des Glücks und der bedingungslosen Liebe können gnadenhaft geschenkt werden; dieses kann aber weder gemacht noch versprochen werden.

Gerade in Zeiten, die die Mystiker „dunkle Nacht der Seele“ oder die Psychologie ggf. „Depressionen“ nennt, kann das Handauflegen hier eine wertvolle Unterstützung sein.

Die kontemplative Behandlung (Handauflegen) wirkt auf den ganzen Menschen ein:

  • im Bereich des Körpers als Entspannung, Förderung des Körperbewusstseins…
  • im Bereich der Seele als Zuwendung, Aufmerksamkeit („ich tue mir etwas Gutes“).
  • im Bereich des Geistes: Wenn es Gottes Wille ist (Gnade) und eine Offenheit da ist, kann eine mystische Erfahrung (Einheit, Frieden, Liebe, Glückseligkeit…) geschenkt werden.

In einem Kurs auf dem Männertag in Münster war es für mich beglückend zu erleben, wie schon kleinste Übungen (10 Min. Handauflegen, z. B. auf den Schultern und im Becken) zu tiefen Erfahrungen führten.

Hilfreich kann es auch sein, je nach Verfassung des Klienten, vor dem Handauflegen ein kleines Lied (z.B. aus Taizé oder andere Mantren-Lieder) zu singen oder einen Text zur Einstimmung zu lesen.

 

„Die Frucht der Stille ist Gebet.
Die Frucht des Gebetes ist die Liebe.
Die Frucht der Liebe ist der Dienst.
Die Frucht des Dienstes ist der Friede.“

(Mutter Teresa aus Kalkutta)

 

Manfred Reher,
geb. 1957, geschieden, 3 Kinder, Verwaltungswirt (grad.) und Diplom-Sozialarbeiter, 16 Jahre Mitarbeit in einer Wohnstätte für behinderte Menschen, jetzt Mitarbeiter beim überörtlichen Träger der Sozialhilfe in Westfalen-Lippe, Mitglied der WSdK, Reiki I und II, Lehrer für Handauflegung nach christlicher Tradition.

 

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