Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Aus der Praxis für die Praxis

 

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Sven-Joachim Haack

Einfach da sein
3jähriges Kontemplations-Training am Benediktushof 2016 - 2019

Autor: Sven-Joachim Haack

Dieses Kontemplations-Training über drei Jahre möchte Menschen einladen, sich auf einen gemeinsamen Weg der Vertiefung der kontemplativen Übung zu machen. Durch die vierteljährlichen Übungstage (Dienstag/Mittwoch bis Sonntag) wird eine tragfähige Struktur angeboten, welche eine Durchdringung des Alltags durch die Übung fördern kann.

Dem soll auch die Weggemeinschaft durch diese Jahre dienen. Deshalb handelt es sich nicht um ein offenes Angebot von einzelnen Kursen, sondern um eine Einladung zu verbindlicher Weggemeinschaft, um die Kraft des gemeinsamen Praktizierens zu erforschen und uns von ihr inspirieren lassen zu können.

Eine dauernde Herausforderung auf dem kontemplativen Weg stellt die Integration der Übung und ihrer Haltung in den Alltag dar. Darauf wird in diesem Training besonderes Augenmerk gelegt. So wird es neben den Tagen strengen Schweigens zu Beginn und am Ende der Kurse auch Impulse zur Selbsterforschung und zu strukturiertem Austausch geben.

Das Kontemplations-Training richtet sich an Menschen, die:

  • den Weg der Stille ernsthaft gehen und ihre Sitzpraxis vertiefen wollen
  • Qualitäten der Stille in ihren Alltag integrieren möchten
  • eine heilsame Lebenskultur aus der Stille kultivieren wollen
  • an Selbsterforschung und Austausch interessiert sind
  • Interesse an der Praxis in einer festen Gruppe haben
  • bereit sind, sich auf einen tiefgreifenden und dreijährigen Prozess einzulassen
  • physisch und psychisch normal belastbar sind
  • einen Einführungskurs Kontemplation oder Zen absolviert haben

Im Kern besteht die Kontemplation in einem einfachen, absichtslosen, selbstverständlichen Dasein. Hierin üben wir uns in der Kontemplation (in der Übung) ein.

Kontemplation ist der Weg der christlichen Tradition in die Erfahrung der Einheit und Verbundenheit des Seins durch die Zurücknahme der Ich-Aktivität.

Die Kontemplation umfasst vier grundsätzliche Dimensionen, die jeweils eigener Aufmerksamkeit auf dem Übungsweg bedürfen.

Kontemplation ist eine einfache, ganz schlichte, aber überhaupt nicht leichte Übung. Sie unterscheidet zwei Grundformen der Übung: die Bewusstseinsvereinheitlichung und die Bewusstseinsentleerung.

In der Übungsform der Vereinheitlichung des Bewusstseins versuchen wir unser Bewusstsein auf etwas zu fokussieren, um damit unser „streunendes“ Bewusstsein mehr und mehr auf diesen Fokus hin zu einen. Dabei handelt es sich um die Übungsformen mit dem Atem oder dem Wort.

Die Übungsform der Bewusstseinsentleerung geht den umgekehrten Weg und versucht mein Bewusstsein rein rezeptiv zu halten, ohne auf irgendeinen Inhalt des Bewusstseins zuzugreifen. Es ist eine Haltung der „reinen“, das heißt auf nichts Konkretes gerichtete Präsenz. Dies wird von Johannes vom Kreuz als „liebendes Aufmerken“ und vom anonymen Autor der Wolke des Nichtwissens als „Schauen ins nackte Sein“ und als reine Präsenz bezeichnet.

Die gewählte Übungsform gilt es dann in ihrer Schlichtheit immer aufs Neue zu praktizieren. So ist die kontemplative Übung ganz schlicht, und dennoch ganz und gar nicht leicht.

Die Übung führt in Erfahrungen der Verbundenheit und Einheit des Seins unterschiedlicher Tiefung. Dies reicht vom ersten Auftauchen personaler Qualitäten der inneren Beruhigung und Entschleunigung über die Erfahrungen transpersonaler Qualitäten bis hin zur unio-mystica.

Viele Menschen erleben in der Übung recht schnell eine beginnende Beruhigung, Qualitäten der Stille und Entspannung. Diese Qualitäten des Erlebens stellen zu Beginn häufig eine sprudelnde Quelle der Motivation zur weiteren Praxis dar. Ich übe, um etwas (wieder) zu erleben.

Ein weiterer Schritt der Tiefung besteht dann im Auftauchen transpersonaler Qualitäten. Dabei handelt es sich oft um Erlebnisqualitäten der Stille, des Friedens, der Weite, der Präsenz, der Ehrfurcht, des Staunens, des Lichtes oder energetischen Erlebens, welche nicht mehr in meiner Person und ihrem Ergehen begründet, und damit transpersonal, sind. Sie werden immer wieder als Durchbruch in eine andere Wirklichkeitsdimension erlebt, haben häufig stark motivierende Wirkung und stellen gleichzeitig eine doppelte Versuchung dar. Die Gefährdung des spirituellen Materialismus liegt im Wiederhaben-Wollen dieser Erfahrung. Der Versuchung des spirituellen Narzissmus entspricht die Aufblähung des Ichs durch Vergleichen mit Erfahrungen anderer.

So ist es wichtig zu verstehen, dass es sich trotz der Tiefung um ein Durchgangsstadium handelt und es weiterzugehen gilt. Die letztliche Erfahrung der Einheit setzt auch noch das Zurücklassen dieser Qualitäten voraus. In ihr gilt es auch ein noch so diskretes unterscheidendes Bewusstsein loszulassen. Die Erfahrung der Nondualität überschreitet auch dies noch und führt in die Erfahrung dessen, was nicht Ich ist und mich gleichzeitig im Wesen ausmacht.

Diese Erfahrungen bedürfen immer wieder aufs Neue der Integration und setzen somit einen Verwandlungs- und Integrationsprozess in Gang.

Den kontemplativen Weg zu gehen, führt in einen tiefgreifenden Verwandlungsprozess. Jeder dieser Tiefungsschritte stellt eine Anfrage an unser bisheriges Selbst- und Weltverständnis dar und will in unser personales Sein integriert werden. Diese Erfahrungen besitzen also transformierendes, aber auch ein labilisierendes Potential. Dabei wirkt die Stille wie ein Spiegel, in dem wir zu sehen vermögen, was ist – ungeschminkt. So tauchen im Verlauf zumeist alte, lebensgeschichtlich erworbene Verletzungen und daraus resultierende Muster nochmals auf. Sie in der Stille halten und damit austragen zu können hat oft sehr heilsame Qualität.

Zudem wird bisher Sinnstiftendes manchmal als leer empfunden, religiöse Überzeugungen verwandeln sich. Das, was bisher meine Seele nährte wird dann als leblos, trocken erlebt. Für Viele ist das ein manchmal langer und oft quälender Wegabschnitt. Gerade frühkindlich erworbene Gottesbilder ankern tief und ihre Verwandlung und Überschreitung wird manchmal schuld- oder schamhaft erlebt.

Die Stille fördert jedoch die Herausbildung einer inneren beobachtenden Instanz, die wahrzunehmen vermag was ist. Diese Fähigkeit zur offenen Wahrnehmung nährt eine neue Qualität von Achtsamkeit. Ein neues Welt- und Selbstverständnis entsteht. Die umfassendste Wirklichkeit ist nicht die Trennung und Isolation, sondern die Einheit von Sein und Nichtsein.

Im Laufe des Weges geht die Haltung der Übung in „Fleisch und Blut“ über, sie inkarniert in den Alltag. Das Bewusstsein und Selbstverständnis meiner selbst wandelt sich von einer Verankerung im Ich über eine Verankerung in der Seele, hin zur Verankerung im gemeinsamen wahren Wesen, dem Sein selbst.

Dabei stellen die Achtsamkeit und das Gewahrsein den Transmissionsriemen dar. Aus einer ferngesteuerten Lebenshaltung des Autopiloten mit ihrem Gefangensein im Reiz-Reaktions-Schema führt wachsende Achtsamkeit ins Gewahr werden und schenkt damit neue Lebensspielräume.

Sich vertiefende Erfahrungen der Einheit lassen die Illusion des Getrenntseins erkennen und führen zur Geburt des zweiten Gewissens, welches sich in eigenem Entscheiden an dieser Erfahrung der Einheit orientiert.

Damit wird die Kostbarkeit jeden Augenblicks, das Wunder des Lebendigseins und das Mysterium des Daseins spürbar und die individuelle „Berufung“ erkennbar. Gleichzeitig braucht dieser Prozess der Durchdringung meines gelebten Alltags durch die Haltung und Erfahrung der Übung immer wieder Aufmerksamkeit. Damit wird der Alltag selbst zur Übung.

Das Kontemplationstraining „Da sein, einfach da sein – Lebenskultur aus der Stille“ will diesen vier Dimensionen der Kontemplation Rechnung tragen und ihnen Augenmerk schenken. Dies erscheint nötig, um unausgewogene Praxis, welche eine wesentliche Ursache spiritueller Krisen darstellt, vermeiden zu helfen. So werden in dem Training drei Schwerpunkte gesetzt:

1. Vertiefung des Sitzens in der Stille

Die Grundübung des kontemplativen Weges stellt das Sitzen in der Stille dar. Dies soll durch folgende Elemente vertieft werden.

Durch die vierteljährlichen mehrtägigen Zeiten der Übung in strengem Stillschweigen besteht die Möglichkeit zur Vertiefung der Einübung ins Sitzen und der Stille. Der Rahmen des Benediktushofs stellt uns dabei eine förderliche Struktur zur Verfügung. Hier können wir uns an einen Ort andocken, an welchem mit Unterbrechungen eine tausendjährige Praxis der Stille existiert. Der Ort und die Menschen, die dort fortlaufend praktizierten, stellen so etwas wie ein bergendes Gefäß dar. Neben dem Sitzen in der Stille wird in jedem Kurs eine weitere kontemplative Form vertiefend eingeübt (Gehen, Tönen, Gebärde, Tanz, Leibarbeit, mantrisches Singen, Klangerleben…).

Für Menschen, die in erreichbarer Entfernung zum Rhein- Main-Gebiet leben, gibt es zudem die Möglichkeit eines Kontemplationssamstages, insbesondere in den kursfreien Monaten.

2. Die Weggemeinschaft

Wir gehen den Weg durch diese Jahre in einer verbindlichen Gruppe. In den meisten spirituellen Traditionen ist die Gemeinschaft der Praktizierenden von großer Bedeutung. Von einer Weggemeinschaft, Gemeinde, Sangha geht eine große unterstützende Kraft aus.

Vielen ist ja spürbar, wie das Sitzen in der Gruppe sie unterstützt. Es erscheint, als gelänge Tiefung und Stille in einer Gruppe Übender leichter. Mit deiner Präsenz und Stille unterstützt du die meine und umgekehrt. Durch die Weggemeinschaft dieser Jahre wollen wir etwas von der Kraft der Gruppe erfahrend erforschen und sie als Quelle der Inspiration und Unterstützung nutzen.

So wird es zu Beginn und am Ende jeden Kurses Zeiten strukturierten Austausches geben. Dies dient insbesondere dem Transfer der Übung und seiner Qualitäten in den Alltag. Hiermit nehmen wir eine Aufgabe in die Kurse hinein, welche sich sonst jeweils individuell am Ende des Kurses bei der Rückkehr stellt .

3. Kontemplative Lebenshaltung

Denn Kontemplation endet nicht auf Kissen, Hocker oder Bänkchen: Sie führt zurück in den Alltag. Diesem Aspekt soll insbesondere Aufmerksamkeit in diesem Training geschenkt werden.

So werden die Vorträge eines Kurses zu einem alltagsrelevanten Thema hinführen. Dies sind z.B.:

  • Sitzen in der Stille im Alltag
  • Qualitäten der Stille und ihre Kultivierung im Alltäglichen
  • Seinsverankerung im Alltag
  • Umgang mit lebensgeschichtlich erworbenen Mustern, Verletzungen und emotionalen Turbulenzen
  • Gestaltung von Übergängen und Rhythmen
  • Achtsamkeit in Beziehungen und Arbeit
  • verschiedene Tiefungsebenen der Übung und deren Nutzung im Alltag
  • Lebenskultur aus der Stille
  • Spirituelle Krisen
  • Der Alltag als Übung
  • Vision und Berufung

Dieses jeweilige Thema wird am Ende des Kurses Gegenstand gemeinsamer Selbsterforschung und strukturierten Austauschs sein. Dabei besteht die Möglichkeit, für die kommenden Monate zu Hause eine Vereinbarung zur Selbsterforschung und alltäglichen Praxis mit sich selbst einzugehen. Der Beginn des folgenden Kurses dient dann dem Austausch über die gemachten Erfahrungen im Alltag.

Verschiedene Elemente der Übung unterstützen uns auf dem Weg durch den Prozess dieser Jahre:

  • Das Sitzen in der Stille als Grundübung des kontemplativen Gebetes
  • Die Tagesstruktur und Atmosphäre des Benediktushofs
  • Das strenge Stillschweigen in den Kernzeiten der Kurse
  • Die Rituale
  • Friedvoll-achtsames Gehen
  • Regelmäßige Einzelgesprächsmöglichkeit
  • Tägliche Vorträge
  • Elemente der Leib- und Gebärdenarbeit, sowie des kontemplativen Tanzes
  • Tönen und mantrisches Singen
  • Impulse zur Selbsterforschung
  • Strukturierter Austausch in der Gruppe
  • Gemeinsame Verabredung zur Erforschung im Alltag
  • Die Feier des Lebens

Diese drei Schwerpunkte des Trainings sollen durch die methodischen Werkzeuge und die Struktur des Angebots die ganzheitliche Aneignung der kontemplativen Haltung unterstützen und der Transformation der Haltung und Erfahrung der Übung in den Alltag dienen.

Das Angebot besteht aus mehreren Kursblöcken pro Jahr:

3 x Mittwoch–Sonntag, 1 x Dienstag– Sonntag
Kursort: Benediktushof, 97292 Holzkirchen
E-Mail: kurse@benediktushof-holzkirchen.de
Leitung des Trainings: Sven-Joachim Haack.

Anmeldung bis 31. 10. 2016 nach Kontaktgespräch an:
E-Mail: Sven-Joachim.Haack@t-online.de
Internet: www.meditationundmystik.de

Einfach da sein

Sven-Joachim Haack bei einem Vortrag im Tagungszentrum Schmerlenbach, Foto: Petra Speth.

Da sein,
einfach da sein,
Einfach da sein dürfen,
mit allem, was jetzt ist.
Da sein, eint Ganzheit
dieses Augenblickes,
dem Wunder des lebendig Seins,
dem wahren Wesen des Seins erfahren.
Mich dadurch verwandeln lassen,
in meinem Alltag,
achtsamer, präsenter, lebensfreundlicher, schöpfungsförderlicher da sein.
Da sein, einfach da sein.

 

Sven-Joachim Haack
Hardtwaldallee 24a, 61381 Friedrichsdorf/Ts., geb. 1959, verheiratet, 2 Töchter, Lehrer der WFdK und der Wolke des Nichtwissens, Beiratsmitglied, nach 15 Jahren Gemeindepfarramt nun in der Psychiatrie, Psychosomatik und Suchtrehabilitation tätig. Aus- und Weiterbildung in Gestalt-, Initiatischer und Transpersonaler Beseelter Psychotherapie, Sakralem Tanz und Gebetsgebärde.

 

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