Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Frauen und Männer der Mystik

 

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Heidi Schoppenhorst

Rheinische Mystik: Eckhart, Tauler, Seuse

Autorin: Heidi Schoppenhorst
Im Kontemplationskurs nach der Tagung des WFdK im Januar 2017 hielt Dr. Franz-Nikolaus Müller Vorträge zu den drei Meistern der „rheinischen Mystik“: Eckhart, Tauler und Seuse. Leider konnte ich nicht dabeisein, möchte jedoch uns kurz diese drei Dominikaner ins Gedächtnis rufen.

Wie wir wissen war der Thüringer Johannes Eckhart, uns bekannt als Meister Eckhart, der bedeutendste Vertreter der christlichen Mystik, sowie einflussreichste spätmittelalterliche Theologe und Philosoph. Als Jugendlicher trat er in den Orden der Dominikaner ein und erlangte hohe Ämter.

Eckhart wurde ein Mystiker mit jeder Faser seiner Seele. Ihm genügten nicht die von Heilverwaltern zugelassenen Pfade.

„Mystik“ meint die religiöse Erfahrung einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit. Es gibt keine einheitliche Definition, nur Interpretationen, die gemeinsame Merkmale aufweisen.

Der im Elsass geborene Johannes Tauler lebte von 1300 bis1361. Mit 15 Jahren trat er in den Dominikanerorden ein. Er hat keinen Traktat wie Eckhart geschrieben, jedoch sind von ihm wertvolle Predigten durch Nachschriften erhalten.

„Bleib stets in gleicher Lage des Gemüts. so wirst du ein gelassener Mensch, wenn du alle Dinge von Gott auf gleiche Weise entgegennimmst: Lieb und Leid, Saures und Süßes, in wahrem vollkommenem Frieden.

Tauler lässt alle Gottesvorstellungen oder Gottesbegriffe hinter sich, damit die Gottesgeburt in der Seele erfahren werden kann.

„Trage alles recht wieder in den Grund, von dem es ausgeflossen ist, halte dich bei nichts auf, sondern fließe du selbst mit allen Dingen da hinein.“

So hieß es in seinen Predigten. Tauler predigte offenbar geradezu erschütternd und substantiell, wie es nur bei einem sein konnte, der in die Tiefen vorgedrungen war. Er charakterisierte die Theologie und Predigtweise des „liebenswerten Meisters“ (Eckhart) folgendermaßen: „Er sprach aus der Ewigkeit und ihr versteht es nach der Zeit.“

Erlebte und durchlittene Spiritualität ist anders als Gedankenspekulation. In Basel freundete sich Tauler mit Heinrich Seuse an.

Heinrich Seuse wurde vermutlich 1295 in Überlingen oder Konstanz geboren, trat 1308 ins Dominikanerkloster, das heutige Inselhotel in Konstanz ein. 1366 verstarb er in Ulm. Im Studium Generale seines Ordens in Köln lernte er Meister Eckhart kennen, der ihn umfänglich beeinflusste. Heinrich Seuse war Schüler Meister Eckharts, der ihn während seiner theologischen Studien in Köln in die Mystik einführte. Auf Grundlage der Lehren Eckharts verfasste er die beiden Traktate „Buch der Wahrheit“ und „Büchlein der ewigen Weisheit“ in denen er sein mystisches Wissen darlegte. Er war ein Schriftsteller, den es dazu trieb, von der Gnade und der liebe Gottes Zeugnis zu geben, und das mit großer Innigkeit und Wärme, welche dieses Zeugnis bis heute lebendig hält.

Vergleicht man die drei großen Mystiker Meister Eckhart, Johannes Tauler und Heinrich Seuse, so hat Eckhart durchdringende theologische Entwürfe sowie tiefe spirituelle Einsichten ermöglicht, die er meisterhaft mit seinen theologisch/philosophischen Einsichten verband. Johannes Tauler hatte die Lehren des Meisters verinnerlicht und verstand es, diese in die Spiritualität des täglichen Lebens, des Alltags zu übersetzen und anzuwenden. Heinrich Seuse leistete das auch, jedoch anders, eher emotionaler, weniger rational. Er sprach das Gemüt, das Bildhafte an und verwies auf eine eher poetische Seite christlicher Spiritualität.

Diese drei großen rheinischen Mystiker vermittelten Einung und zeigen, was an „mystischem Christsein“ bis heute wichtig ist: Ein rationales Element, das in intellektueller Redlichkeit die Glaubenstradition durchdringt; ein praktisches Element, das philosophisch-theologische Deutung im alltäglichen Leben erdet, und ein Element von Erfahrung, das rationale Einsichten mit innerem Spüren in Einklang bringt.

Die Schriften der drei Mystiker sind bis heute aktuell. Sie kommen einem weit verbreiteten Bedürfnis nach einem sinnerfüllten Leben aus der Tiefe des Seins entgegen; zeigen Wege, wie Menschen zu sich selbst kommen können. Das Wesentliche war und ist die Erkenntnis des Weges, den der Mensch zum Ziel hat. Ihre Predigten und geistlichen Ansprachen, ihre Schriftkommentare und theologischen Traktate, ihre Lieder und Hymnen verkünden ein Sein in Glauben und Handeln, welches mit göttlichem Geist im Einklang ist.

Heidi Schoppenhorst
Sonnenstraße 18, 97292 Holzkirchen. Kontemplationslehrerin der Linie „Wolke des Nichtwissens Willigis Jäger“ und des WFdK; Kurstätigkeit am Benediktushof: Integrale Medizin; Lehrerin für Liturgie des Tanzes, Meditation des Tanzes und Sakraler Tanz; Fachärztin Psychosomatische Medizin, Palliativmedizin.
E-Mail: E-Mail,  Internet: Link

 

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