Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Lehrerinnen und Lehrer im WFdK

 

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Sven-Joachim Haack

portraitiert von

Sven-Joachim Haack: Nicht das Tun sondern das Lassen ist der Weg

Vorstellung eines langjährigen Lehrers

Autorin: Heidi Schoppenhorst

Sven-Joachim Haack, Kontemplationslehrer und Beiratsmitglied der Wolke des Nichtwissens Kontemplationslinie Willigis Jäger und des Würzburger Forums der Kontemplation (WFdK) erfuhr wesentliche Impulse auf dem Weg der Kontemplation, der Achtsamkeitsübung Vipassana und dem Herzensgebet. Ihn, der die Zeitschrift 'Kontemplation und Mystik' des WFdK 16 Jahre als redaktioneller Leiter herausgegeben hat, möchten wir dankenswerter Weise hier vorstellen.  H.S.

An Jahreskreisfesten wie Ostern und Weihnachten und in zahlreichen von ihm geleiteten Kontemplationskursen, war und ist Sven in seinem präsenten Dasein Inspiration für viele. Er begründete und leitet die 'Weggemeinschaft Kontemplation und Mystik' aus Friedrichsdorf.

Als ev. Theologe wirkt Sven seit 15 Jahren als Gemeindepfarrer sowie seit 2003 als Klinik-Seelsorger in einer Klinik der Psychiatrie. 2004 kam die seelsorgerische Tätigkeit in der 'Salusklinik Friedrichsdorf' hinzu, die auf Suchtrehabilitation spezialisiert ist.

Einschneidende Erlebnisse:

Erfahrungen in seiner Herkunftsfamilie mögen ihn bewogen haben, sich um des Begreifens und Verwandelns, der aus dem Gleichgewicht geratenen behandelten Menschen anzunehmen.

Sein Vater trank zu viel und konnte dann sehr heftig werden. Dadurch lernte Sven Bedrohung gut einzuschätzen. Die Wachstuchfabrik, in der die Familie arbeitete, ging in Konkurs. Er wuchs im Frankfurter Westen, zum guten Teil bei den Großeltern mütterlicherseits auf. Großvater Karl Jahn war nach Arbeitsdienst, Wehrdienst, Aufenthalt in Polen, Frankreich sowie Finnland kriegstraumatisiert und zuletzt in sowjetischer Gefangenschaft zum großen Schweiger geworden. Aber sonntags nahm er seinen Enkelsohn Sven auf dem Kindersitz des Fahrrades mit in die Landschaft des Waldes. Dieser war zutiefst beeindruckt von der ihn umgebenden Stille, die ihn mehr als Worte berührte.

Dieser gewissenhafte Großvater,

ein Glasbläser und Schlosser verbürgte für ihn die Stabilität der Welt, was immer auch geschah. Er verlor ihn im Alter von 24 Jahren. Zwei weitere Erlebnisse mit dem Thema Tod hatte er zuvor schon erlebt. Da war das rasche Sterben des zu früh geborenen kleinen Bruders, später der unerwartete Verlust seines ersten Lehrers. Bei ihm hatte er sich wohlgefühlt.

Damals war er tief erschüttert und betroffen.

Die folgenden Lehrer konnten ihn nicht ersetzen und so wurde es schwierig. Es folgten wechselhafte Schuljahre bis ihm die erhoffte Gymnasialzuweisung erteilt wurde. In Hofheim besuchte er die Ganztagsschule. Da dort die Lehrinhalte und überhaupt alles anders war, musste er eine Klasse wiederholen. Die Schule war bis zur 10. Klasse 'tendenziell Horror' dann, erst nach Erreichen der Oberstufe wurde es gut. Schließlich wurde er sogar Klassensprecher.

Zur stark geforderten Mutter hatte Sven ein eher distanziertes Verhältnis. Sie arbeitete in Vollzeit bis zum Ruhestand. Ihr sei es wichtig gewesen, dass Ordnung herrscht, der Junge wohl gerate. Schon ihre Scheidung war damals ein großer Makel. Aus späteren Ehen des Vaters bekam Sven noch vier Halbgeschwister.

Mit 14 Jahren entwickelte sich eine pubertäre Konfliktsituation zwischen ihm und seiner Mutter. Er wollte nicht zum Konfirmandenunterricht, sondern lieber Fußball spielen. „Es war mein Glück, Mutter setzte sich durch“. Ihr war es zu verdanken, dass er getauft und konfirmiert wurde. Sie zogen um und Sven lernte einen jungen Pfarrer kennen, der 'umwerfend authentisch' gewesen sei. Er setzte sich stark für eine Obdachlosensiedlung ein und sein Unterricht war einfach gut und berührend. Sven erkannte die Werte, die vermittelt wurden und blieb mit ihm in Verbindung. Dieser Pfarrer war Mitglied des 'Marburger Kreises', einer Gruppe engagierter Menschen unterschiedlicher Konfessionen, die sich zu einer täglichen Stille verpflichtet hatten. Dies brachte ihn in Kontakt mit Stilleübungen. Dreimal wöchentlich traf man sich morgens, und samstags frühstückte man gemeinsam.

Ein Jahr später, nach dem Abitur, Sven war 18 Jahre alt, ging es nach Tansania, wo sich der Pfarrer, der ihn konfirmiert hatte, mittlerweile engagierte. Dort arbeitete Sven u. a. in Mlalo, half in Projekten (Friedenscamps) mit. Durch den Jugendsekretär der staatlichen Einheitspartei wurden hier z.B. Bäume gepflanzt.

Die tiefgreifenden interkulturellen Begegnungen, gerade auch auf der Leprastation Hekamolungu, in der sich 180 - 200 Leprakranke aufhielten, waren für ihn herausfordernd. Mit Demut und Ehrfurcht begleitete er die Menschen und begegnete ihnen mit großer Anteilnahme. Es waren 'einschneidende Erfahrungen, krass'. Er fühlte sich wie in einer anderen Welt, habe viel Angst gehabt. „Besonders nach Einbruch der Dunkelheit sollte man nicht draußen sein.“ Die Armut war groß, aber es gab immerhin 3 Mahlzeiten, zwar immer wieder Maisbrei, mal kalt, mal warm und weiter nichts.

Eigentlich wollte er in Tansania bleiben, denn die Zuwendung des tief im Glauben verankerten Pfarrers Dr. R. Veller, gab große Kraft, Wesentliches zu wirken. Bei ihm durfte Sven wohnen. Dann wurde er aber krank, musste mit Fieber, Sehstörungen und Schwindel, fraglicher Malaria, ins Krankenhaus. Genau zu diesem Zeitpunkt rief seine Mutter an. Da spürte er in sich hinein und beschloss, wenn auch schweren Herzens, zurückzukehren und begann sein Studium der ev. Theologie in Frankfurt.

Sven-Joachim Haack

Nach dem ersten Studienjahr wechselte er nach Marburg. Dort erhielt er einen Studienplatz für die Universität Makumira im Norden von Tansania. Doch es sollte anders kommen. Er verliebte sich sehr in seine spätere Ehefrau Sabine und so hatte das nun Priorität. Daher wurde nichts aus einem erneuten Aufenthalt in Tansania.

Nach bestandenem 1. Theologie Examen hatte er immer noch Zweifel. Nachdem er aber einen Einschulungsgottesdienst gehalten hatte, wurde ihm klar, dass er für das Pfarramt geeignet war. Nach dem 2. Examen ging er zurück an die Uni Frankfurt/Main ins theologische Konvikt. Leiter war Dr. phil. Manfred Arndt, Sozialethiker, der als Praxisbegleiter und Berater anderthalb Jahre das Team, in dem Sven war, durch zukunftsweisende Projekte sehr unterstützte und förderte. Es ging lebendig sowie spielerisch zu. Dr. M. Arndt war auch Psychodrama-Leiter und mit einem meditativen Übungsweg verbunden. Für Sven ergaben sich dadurch wesentliche richtungsweisende Freundschaften und damalige Ideen werden heute in die Tat umgesetzt.

Nach dieser Zeit wechselte Sven wieder in den Gemeindedienst in Frankfurt. in dieser Gemeinde gab es drei Pfarrstellen mit problematischen Interaktionen. Eigentlich hatte er große Lust im Team, wie in Frankfurt zu arbeiten. Doch es kam anders als erwartet, sehr verquer. Nach drei Jahren wurde er nach Hofheim-Langenheim in eine andere Propstei abgeworben. Dort kam er zur Ruhe und konnte vertiefte Bibliodrama-Erfahrungen machen. Eine gestalttherapeutische Einzelanalyse machte er bei Felix Zeitel, den auch ich in frühen Jahren während meiner klinischen Tätigkeit als profunden und sehr menschlichen Analytiker erfahren durfte. Mehr und mehr stellten sich Sven tiefe spirituelle Fragen.

1990 heiratete er Sabine, gründete eine Familie aus der später seine beiden Töchter Hanna-Marie und Tochter Clara-Luisa hervorgingen.

1993 führte sein Weg nach Rütte.

Dort machte er zunächst einen Einführungskurs in die Stille, der ihn zu langjährigen Erfahrungen initiatischer- und integrativer Gestalttherapie führte.

Auch begegnete er Willi Massa in der Neumühle (Leiter des Meditationszentrums Exerzitium Humanum). Dann deutete sich auf dem Weg eine spirituelle Krise an.

Zu anspruchsvoll wurden die Anforderungen, die Arbeit in der Gemeinde, im Pfarrhaus, der Stress wegen eines anstehenden Umzugs, die kleine Tochter. Es war nicht zu bewältigen. Er begann zu rauchen, trank viel und bekam Lungenentzündung. Aufgeben wollte er nicht. Auf dem Gipfel einer Fieberkrise hatte er einen schlimmen Albtraum. Erst im Wachwerden erkannte er, dass es um Leben oder Sterben ging. Danach gelangte er in sehr tiefe Stille. Eine Woche später fühlte er sich körperlich schlecht, bekam Angst, ohne zu wissen wovor. Tiefe Verwirrung breitete sich aus, er wollte nicht mehr Pfarrer sein, nicht mehr als öffentliche Person in Erscheinung treten müssen, und er bekam die Empfehlung, in die damals noch sehr neue Psychosomatische Fachklinik Heiligenfeld zu gehen und beschloss „Ja, das will ich“. Dort wurde er von April bis August 1994 behandelt.

Zu dieser Zeit überschwemmten ihn seine inneren Themen, die angeschaut werden wollten: Schon im ersten Lebensjahr war er 4x in der Klinik wegen Keuchhusten und Pseudokrupp gewesen. Der Aufenthalt in der Fachklinik Heiligenfeld stellte sich für ihn als ein Meilenstein auf dem Weg heraus. Bei Dr. Joachim Galuska meditierte er und 20 Wochen war er dort mit Klaus Buch als seinem Arzt und Therapeuten zusammen. Er wurde in einer transpersonal orientierten Gruppe mit 'abgrundtiefem Wohlwollen' behandelt. Aus der Klinik heraus wurde ihm dann Willigis Jäger empfohlen.

Wieder ging es in die Gemeinde.

Ab 1. Advent 1994 bis 2003 war sein Schwerpunkt: Identität. Es ging darum, Menschen in den transpersonalen Bewusstseinsraum zu führen. Ein Projekt: Geistlich spirituelles Leben wagen, leitete er 12 Jahre. Inzwischen fühlte er sich anerkannt, hatte Ausstrahlung und war mit 150 Veranstaltungen im Jahr viel zu viel unterwegs. Von 1996-2000 nahm er an einer Weiterbildung: Sakraler Tanz, Gebetsgebärden, spirituelle Körperarbeit bei Beatrice Grimm teil. 2004 machte er eine Klangmassageausbildung bei Elisabeth Dierlich.

Weiterbildung

Ab 2007 absolvierte er die Weiterbildung “Beseelte Psychotherapie  – die spirituelle und transpersonale Dimension der Psychotherapie“ an der Akademie Heiligenfeld bei Joachim und Dorothea Galuska, sowie Klaus Buch, die er als erster zertifizierter Absolvent abschloss.

Im April 2014 wurde eine ernste Krankheit festgestellt und nach der OP folgte die Anschlussheilbehandlung. Viele Menschen gingen damals für ihn in Meditation und Fürbitte. Nach Diagnosestellung erfuhr Sven durch sein Sitzen in Stille ein tiefes Gefühl von Erleichterung, Ermutigung, Erlaubnis. „Junge, jetzt bist du wirklich frei und kannst machen, was du willst“, nicht in einem oberflächlich-verantwortungslosen Sinn, aber als Erlaubnis, für das Wesentliche frei zu sein. Diese Stille half auch, aus Katastrophenphantasien auszusteigen. Im Januar 2015 wieder ein neues Leiden, ausgelöst durch ein Blutgerinnsel, Anfang Juli 2015 eine Operation.

Aber für seine Familie versuchte er stets, mit offenem Herzen zu leben. Anfang Oktober 2015 stand der Umzug der Familie nach Hofheim sowie eine Wiedereingliederungsmaßnahme an. Lebenslänglich gehe er über sich hinaus, könne gar nicht anders.

Die Zeitschrift Kontemplation und Mystik,

die er von Anfang an wesentlich gestaltete, hatte er kurzfristig an mich abgegeben. Mir war das geschenkte Vertrauen Herausforderung und Auftrag zugleich. Als Kontemplationsorgan nach innen und außen nahm die Zeitschrift 1989 ihren Anfang.

Seit Mitte der Neunziger Jahre war Sven Kontemplationsschüler von P. Willigis Jäger, 1999 wurde er von ihm zum Lehrer der Würzburger Schule der Kontemplation ernannt und lehrt seit 2000 mit ihm.

Svens Interessensschwerpunkte liegen im Verhältnis von Spiritualität und Heilung, in der kontemplativen Tradition der jüdisch-christlichen Suchbewegung und in der Begleitung in den Raum mystischer, transpersonaler Erfahrung. Ihm geht es um das Verständnis und die Begleitung spiritueller Krisen, sowie um die heilende Kraft christlicher Tradition und spiritueller Praxis, dabei insbesondere um die Frage nach heilenden Feldern im kirchlichen Kontext. Das Sein möchte er seinen Mitmenschen, sich und anderen erschließen. Wenn Sven seit einigen Jahren eine Weiterbildung zum Thema 'Spiritualität in der Sterbebegleitung' anleitet, so war vielleicht der eigene Schmerz im Grund auch die Motivation dieser Hinwendung.

Als Sven sein Buch 'Das Gebet der Stille' 2010 geschrieben hatte, kam Pfarrer Dr. Reinhard Veller, mit dem sich Sven tiefgehend verbunden fühlte, gerade aus Tansania zurück. Willigis Jäger schrieb das Geleitwort dazu. Das Buch helfe, in liebevoller Weise seinen rechten Standort, in diesem zeitlosen Universum zu finden. Unser ich besitzt keine Permanenz, sondern ist nur Ausdruck dieses göttlichen Urgrundes, der sich als dieses ich für einen Moment inkarniert.(Auszug aus dem Geleitwort von Willigis Jäger)

Sven-Joachim Haack: Das Gebet der Stille – eine Hinführung zur Kontemplation.

Es macht mit 4 Perspektiven der Kontemplation vertraut: Kontemplation als Übung, als Erfahrung der unio mystica, als Verwandlungsweg und als Lebenshaltung.

Im Februar 2016 geht die von Sven-Joachim Haack geleitete dreijährige Gruppe: Kontemplationstraining am Benediktushof zu Ende. 2016 wird es einen neuen Zyklus unter seiner Leitung geben. Ihm ist es wichtig, die Integration der kontemplativen Übung und ihrer Haltung, in den Alltag zu bringen. So spricht er von einer heilsamen Lebenskultur aus der Stille in einer festen Gruppe.

 „Durch unsere individuelle Bewusstseinsentwicklung und unsere Arbeit an unserer eigenen Heilung können wir Menschen zu einer schöpfungsfreundlichen und lebensförderlichen Lebenskultur beitragen.“
Sven-Joachim Haack

Mahatma Gandhi sagte einmal: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“.

Meister Eckart: „Geh in deinen eigenen Grund, denn in deinem Grund ist dein Sein und Gottes Sein ein Sein.“

Danke Sven für Dein Dasein, ob in Stille, im Gespräch, im Gehen, Tönen, Gebärde, Tanz oder bei der Klangmassage.

 

Heidi Schoppenhorst,
Sonnenstraße 18, 97292 Holzkirchen. Kontemplationslehrerin der Linie „Wolke des Nichtwissens Willigis Jäger“ und des WFdK; Kurstätigkeit am Benediktushof: integrale Medizin, Lehrerin für Liturgie des Tanzes, Meditation des Tanzes und Sakraler Tanz; Fachärztin Psychosomatische Medizin, Palliativmedizin.
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