Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Lehrerinnen und Lehrer im WFdK

 

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portraitiert von

Manfred Rompf
"Mein Lebensmotto lautet: Meditation - Kommunikation - Aktion"

Vorstellung eines langjährigen Lehrers

Autorin: Elisabeth Müller

Weil Manfred Rompf in seiner Auslegung der Seligpreisungen erklärt, dass Jesus Menschen, die spirituell leben, als Salz und Licht glücklich preist und ermutigt, sich nicht in falscher Bescheidenheit zu verstecken, sondern ins Leben einzumischen, war er ohne zu zögern bereit, für dieses Heft aus seinem Leben und von seiner Arbeit als Pfarrer und Kontemplationslehrer zu erzählen. emü

Wäre ich seinem Motto gefolgt, hätte Manfred nicht bei mir nachhaken und sich erkundigen müssen, wann eigentlich mit der ersten Fassung dieses Porträts zu rechnen sei. Denn während ich mich noch auf der Buchmesse von fremden Sprachen und neuen Büchern inspirieren ließ, hatte er den Redaktionsschluss unserer Zeitschrift im Blick. Kein Wunder, dass Manfred Rompf zunächst als Gemeindehelfer und Jugendwart, später als Pfarrer viel bewegt hat.

Ganze einunddreißig Jahre harrte er in ein- und derselben Gemeinde in Essen- Kupferdreh aus, wo es ihm nie langweilig wurde. Das mag daran liegen, dass dieser Beruf ein Herzenswunsch war, obwohl ihm eigentlich eine andere Laufbahn bestimmt war. Denn der älteste Sohn eines Zollbeamten und einer Schneiderin, der mit sieben Jahren den Vater im Krieg verlor, wuchs später in Wuppertal bei Onkel und Tante auf. „Ich hatte nur einen Volksschulabschluss und sollte die Schreinerei meines Onkels übernehmen. Während der Lehre arbeitete ich jedoch mit in der Kindergottesdienst- und Jugendarbeit unserer Gemeinde und war im Gebetskreis der Mission, in deren Dienst ich mich berufen fühlte.“

Dass Manfred Rompf zunächst das Schreinerhandwerk erlernte, kommt bis heute Kontemplationsinteressierten zugute, indem sein Artikel unseres Basishefts "Was ist Kontemplation" eine perfekte Anleitung zum Nachbau eines Meditationsbänkchens enthält. Als fertiger Schreiner wurde Manfred dann Aspirant bei der damaligen Rheinischen Mission und anschließend Seminarist. Auf Anraten der dortigen Lehrer wechselte er aber zur Evangelistenschule Johanneum, einem theologischen Seminar in Wuppertal. Von dort aus nahm sein Weg zum Gemeindepfarrer mit einem Hochschulabschluss auf dem 2. Bildungsweg und dem Theologiestudium in Tübingen und Heidelberg seinen Lauf.

Manfred Rompf hat während seiner Amtszeit in Essen viel Neues angeregt und gewagt. Für den Kirchenkreis Essen-Süd war er acht Jahre Synodaljugendpfarrer und ist seit 1980 bis heute Synodalbeauftragter für Meditation. Als Jugendpfarrer hatte er zunächst den Auftrag, vor den sogenannten "Jugendreligionen" mit ihren Meditationsangeboten zu warnen, weil sie die Jugendlichen anzogen und Menschen in Abhängigkeit brächten. Diese Aufgabe packte er von einer anderen Seite an, weil er fand, dass es nicht die Sache der Kirche sein könne, nur zu warnen, vielmehr müsse sie nach den eigenen Defiziten fragen.

Den Kern des meditativen Weges erfassend, sagte er sich: "Manfred, fang bei dir selbst an". Ein früher Durchbruch in eine tiefe Erkenntnisebene hat ihm diese Entscheidung sicher erleichtert. Er erzählt: "Mit zehn Jahren hatte ich eine grundlegende Gotteserfahrung verbunden mit Licht und Klarheit, tiefster innerer Beglückung, die mir die Gewissheit gab: Gott wohnt in meinem Herzen, und ich bin zugleich in ihm geborgen. Darüber habe ich mit niemandem gesprochen. Wer konnte das schon verstehen? Diese Erfahrung war grundlegend, fand und findet immer wieder in Stille, Gebet und Hören auf Gottes Wort ihre Bestätigung und in der Begegnung mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben – nicht nur mit Christen.“

ManfredRompf

Ab Mitte der 1970er-Jahre war der junge Geistliche also gefordert, sich mit Meditation auseinanderzusetzen. Schon als er den ersten Kurs in Zen und Eutonie besuchte, tat er das in Begleitung seiner Frau, einer Ärztin in psychotherapeutischer Medizin und Psychiatrie, mit der er zwei Söhne hat. Dazu sagt er: "Das war ein Schlüsselerlebnis für uns beide. Endlich hatte ich eine Meditationsmethode gefunden, die den Körper mit zu Hilfe nahm, und es wurde eine Disziplin eingeübt, in der ich längere Zeit gut stille sein konnte auf einem Bänkchen oder Kissen." So kommt es, dass bis heute die Körperarbeit in keinem seiner Kontemplationskurse fehlt. Es folgten Kurse bei Pater Willi Massa, der ihn ins Herzensgebet und in die "Wolke des Nichtwissens" einführte und jahrelang begleitete.

Indem er diesen Weg einschlug, erfüllte sich eine tiefe Sehnsucht, die er bereits als Kind verspürte. "Seit meinem zehnten Lebensjahr ging es mir um eine 'Nachfolge Jesu'. Aber nie in einer radikalen Weise, sondern seine Worte habe ich versucht für mich und meine Zeit je zu deuten. Von Jesus heißt es: 'Er fiel auf sein Angesicht und betete'. Das nahm ich wörtlich und habe so kniend den Kopf an der Bettkante oder ähnlich abgestützt gebetet und auch längere Zeiten geschwiegen in dem Bewusstsein seiner besonderen Gegenwart. Ich brauchte ja nicht viele Worte zu machen, er wusste ja je alles. Heute bin ich froh, dass ich seit 1974 von den Buddhisten noch dazu das stille Sitzen auf einem Kissen gelernt habe. Das geht besser, zumal für längere Zeiten. Natürlich wüsste ich schon gern, wie Jesus es seinen Jüngern beigebracht hat, 'eine Stunde zu wachen und zu beten'. Irgendwie muss er ihnen dazu eine Anleitung gegeben haben, sonst hätte er doch von ihnen nicht erwarten können, in seiner und der Jünger schwersten Stunden, dass sie mit ihm dreimal eine Stunde wachen und beten sollten. Dass sie das dann trotzdem nicht geschafft haben, kann ich gut verstehen. Normale Menschen brauchen Jahre, um es zu lernen."

Manfred weiß, wovon er spricht, denn er leitete andere schon in der Meditation an, als diese von seinen Mitchristen noch sehr beargwöhnt wurde. Dazu erzählt er: "Nachdem ich zwei Jahre regelmäßig meditierte, trug mir die Küsterin zu, wie die Frauen, die sonntags unter der Kanzel saßen, darüber dachten: Wissen Sie, von der Meditation unseres Pfarrers halten wir nichts, aber seit der meditiert, predigt der anders." Ein paar Jahre später ließen sich dieselben Frauen auf seine Einkehrtage ein und bekamen einen ersten Eindruck von Kontemplation und Herzensgebet.

Seine Homepage [Link] spricht ein beredtes Zeugnis von Manfreds Erfahrungen und Aktivitäten in diesem Bereich. Als Orte seiner Kurstätigkeit seien hier genannt: Essen, das Haus der Stille in Rengsdorf, die Neumühle in Mettlach-Tünsdorf und das Haus am Turm in Essen-Werden. Und als ich mich mit den vielen Tätigkeiten, des inzwischen Mitte Siebzigjährigen befasse, kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass das missionarische Feuer von einst weiter in ihm glüht.

Denn die Erkenntnis, dass "wir vor Gott ganz leer und arm sein sollen, um von ihm gefüllt zu werden", trägt und trug er schon früh zu einem viel größeren Publikum. Ihm ist es nämlich zu verdanken, dass es auf dem evangelischen Kirchentag 1985 erstmals ein Meditationszentrum gab, dem 1987 in Frankfurt ein zweites folgte, um fortan zu einer festen Einrichtung zu werden. Außerdem hält er zusammen mit Kolleginnen und Kollegen in Essens Innenstadt einmal im Monat meditative Gottesdienste, und einmal im Jahr leitet er einen interreligiösen meditativen Gottesdienst und lädt dazu besonders Vertreter muslimischen Glaubens ein, weil er seinem Motto getreu die Überzeugung in Aktion setzt, dass es "in unserer multikulturellen und multireligiösen Welt ganz wichtig ist, uns gegenseitig kennen und schätzen zu lernen*, und den interreligiösen Dialog und Erfahrungsaustausch sucht, bei dem "wir mit und voneinander lernen und uns verantwortlich für unsere Erde und diese Welt einsetzen können."

Auf die Frage, wie er all das, neben der freudigen und nicht seltenen Betreuung seiner drei Enkel, die in der Nähe leben, bewältigt, antwortet Manfred Rompf, dem sein Alter nicht anzumerken ist, dass er stets seine Pausen einplant und beim Wandern und Radfahren, bei der Gartenarbeit oder in Solebad und Sauna auftankt – "alles möglichst mit meiner Frau." Und mir wird klar, dass er wohl nicht zu den Pfarrern gehört hat, die vor lauter Nächstenliebe sich selbst aus den Augen verlieren und ins Burn-out schlittern.

Die Bergpredigt, so verrät er, beschreibt für ihn die Vision eines Lebens im Einklang. "Vieles, was in der Bibel steht, dient mir als Anregung. Ich frage mich: Wie würde Jesus das heute sagen? Die Bibel buchstäblich und gar gesetzlich auszulegen, verstößt nach meinem Verständnis gegen den Geist der Bibel selbst." Ein erfrischender, inspirierender Zugang, wie ich finde, von dem uns Manfred Rompf in den Seligpreisungen, die er aus seiner mystischen Erfahrung für die heutige Zeit neu auslegt, eine Kostprobe gibt:

Die Seligpreisungen Jesu für heute
  • Selig, glücklich bis ins Innerste der Seele sind, die bis ins Innerste arm und leer sind; denn sie erfahren den Reichtum der göttlichen Wirklichkeit.
  • Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen Hilfe und Trost erfahren.
  • Selig sind die Sanftmütigen, die mutig sind, einfühlsam und diplomatisch zu sein, die behutsam mit Menschen, Tieren, dem ganzen Erdreich und dem Kosmos umgehen; denn sie werden die Erde erhalten.
  • Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie werden mit ihren Worten und Taten Erfolg haben, so dass sie daran immer wieder neu satt werden.
  • Selig sind die Barmherzigen, die aus inniger Liebe handeln; denn sie werden Barmherzigkeit empfangen.
  • Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie können Gott schauen mit den Augen des Herzens.
  • Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Frieden stiften und Gottes Kinder heißen und so wahre Menschen sein.
  • Selig, glücklich bis ins Innerste der Seele sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn sie erfahren die Gegenwart Gottes jetzt und hier und in Ewigkeit.

Zu diesen Seliggepriesenen sagt Jesus:

  • Ihr seid das Salz der Erde! Ihr seid ganz wichtig für diese Erde, auf euch kommt es an, damit die Erde erhalten bleibt.
  • Ihr seid das Licht der Welt! Ohne Licht kein Leben, ohne euch versinkt die Welt in Finsternis. Darum lasst eure Fähigkeiten, die ihr aus der Verbundenheit mit Gott empfangt, ausstrahlen und ihre volle Wirkung entfalten.

Matthäus 5,3-12; Übertragung Manfred Rompf, [Link]

Elisabeth Müller,
aufgewachsen als Pfarrerstochter in Mexiko-City. Lebt mit Mann und Sohn in der Nähe von Frankfurt; ein weiterer Sohn ist epilepsiekrank. Literaturübersetzerin und Lektorin für Spanisch und Französisch und Schülerin von Willigis Jäger. Kontemplationslehrerin und Mitglied des WFdK, Ausbildung in transpersonaler Prozessarbeit "Schritte ins Sein" bei Richard Stiegler. Gibt Kontemplationskurse und begleitet Einzelne auf dem inneren Weg.
E-Mail: E-Mail,  Internet: Link

 

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