Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Kontemplation, was ist das?

 

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Arbeitsgruppe Ricarda Wagner

Perlenkette
Was ist Kontemplation?

In diesem kurzen Text fädeln wir Perlen der Kontemplation zusammen und halten damit auch einen Moment der Dichte fest, den wir in einem Arbeitskreis im Januar 2003 in Schmitten/Taunus erlebten.

Der Arbeitskreis befasste sich mit der Reflexion des Vortrags von Gastreferent Pfr. Dr. Ralf Stolina, den wir am Vortag gehört hatten. Der Titel seines Vortrags lautete: „Erfahrungserkenntnis Gottes. Kriterien christlicher Mystik.“

Im Anschluss an die kurze Rückbesinnung des Vortrags gab eine Teilnehmerin spontan den Impuls, ob nicht jeder in Worte fassen könne, was für ihn Kontemplation bedeute. Die Gruppe stimmte zu. Daraufhin sammelten wir uns für eine kurze Zeit in der Stille.

Aus der entstandenen Atmosphäre des Lichtes, die spürbar jeden ergriff, holte jeder eine Perle ans Licht. Wir benützen hier das Bild der Perle, weil in diesem Symbol die Einmaligkeit des Individuums mit seiner Geschichte so verdichtet zum Ausdruck kommt. Im Mitteilen und Verschenken an die Gruppe entstand Geschenk um Geschenk, Kostbarkeit um Kostbarkeit. Wir fassen hier zusammen, was jeder aussprach.

Kontemplation ist ein Hineingleiten in den unantastbaren Grund, der ich selber bin. – Es gab Zeiten, da hätte ich versucht, es zu beschreiben. Im Augenblick kann und will ich das nicht; es ist möglich, dass es sich wieder ändert. – Meine inneren Türen schließen für das Unwesentliche und sie öffnen für das Eigentliche, für die wahre Wirklichkeit. – Mir hilft die Übung der Kontemplation, das ungeheure Feuer in mir zu bündeln, damit ich mich nicht zerstreue. – Den Wesensgrund des Daseins erfahren, weiter, offener werden für das Unnennbare. – Kontemplation ist für mich die Gewissheit in der Nicht-Gewissheit. – Kontemplation ist für mich der ständige Versuch, still zu sein, einfach zu sein. – Kontemplation ist für mich die Hoffnung, das Helle und das Dunkle als die zwei Seiten einer Medaille erfahren zu können. – Kontemplation ist für mich, mit offenem Herzen nach innen zu schauen, alles kommen zu lassen und weiter zu schicken. – Kontemplation ist Weitergehen in Liebe, die mir jetzt möglich ist. – Mit einer Gebärde ohne Worte zeige ich, was für mich Kontemplation ist: Hände gehen zum Herzen, verweilen dort und drehen sich nach außen zur Welt, zum Menschen hin. – Absichtslosigkeit üben – der Alltag ist Schule. – Aufwachen, Raum finden im Unergründlichen, neu gestaltet werden, Mensch sein. – Mit dem Geheimnis in einem Raum sein, stille werden und lauschen auf die Weisung von innen her und von dort in den Alltag hinein gehen. – Leben ist für mich alle paar Jahre immer etwas anderes. Die letzten Jahre war es, das Göttliche im Leben zu erahnen. Jetzt ist dran, das „Jetzt“ voll zu leben in Selbstlosigkeit. Und dieser Prozess wird weiter gehen.

Weiter werden, Vertrauen finden.

 

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