Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Kontemplation, was ist das?

 

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N.N.

Die Reise

Hinter Klostermauern
fahl flackerndes Licht
in langen Korridoren.
Ich gehe durch Glastüren.
Eingraviert ein Wort:
"Schweigen".

Ordentliche Schuhreihen.
Mein Atem stockt
als der Duft von Weihrauch
meine Nase streift.
Endlich das Gefühl von
Zuhause.

Dank in meinem Herzen,
denn vor mir die Matte,
das Kissen, das in dieser Woche
meinen Platz anzeigt.
Die kahle weiße Wand, vor der
ich sitze.

Durch die Kraft und die Wahrheit
meiner Übung hier
mögen alle Wesen frei sein
von ihrem Leid
und auch von den Ursachen
des Leids.

Dies mein Gebet
beim Klang des Gongs.
Dann kehrt Stille ein.
Gewahr meines Atems.
Die Reise nach innen
beginnt.

Wohin gehe ich?
Einzig meine Sehnsucht
als Antrieb und als Führung,
derweil ich Tag für Tag
und Mal für Mal
abschweife.

Gedanken, Emotionen
tragen mich hinweg.
Auf und davon
fort von meinem Weg.
Ich kehre wieder zurück.
Immer wieder.

In meinem Körper regt sich
Rebellion und Pein.
Schultern schmerzen,
Knie protestieren.
Der Verstand verkündet mir
ich bin verrückt.

"Was glaubst du denn,
was du hier tust?
Wer sagt dir zu sitzen,
Tag um Tag?"
Ich habe keine Antwort
weshalb.

Kampf und Bemühen –
doch vergebens.
Deshalb zu guter Letzt
gestehe ich die Niederlage.
Sollen Schmerz, Enttäuschung
siegen.

Wieder einmal tröste ich mich.
"Es macht doch nichts,
ein andres Mal
ein neuer Versuch."
Das Bemühen ist vorbei.
Ich ergebe mich.

Dann: Es reißt mich fort
vorwärts, schnell.
Nacktes Entsetzen.
Tempo, Druck.
Halten unmöglich.
Panik.

Der Raum meines Lehrers.
Ich taumele hinein.
Angst und Tränen.
Wirre Worte.
Außer Kontrolle,
keuchend.

Er versteht.
Kennt den Weg.
Kennt die Worte,
die ich sagen will.
Weiß, ich habe nunmehr
keine Wahl.

"Mach weiter", sagt er.
"Du kommst gut voran."
Sein Gesicht ist gütig.
"Wenn du mich brauchst –
Tag oder Nacht –
ich bin da."

Zurück auf dem Kissen.
Öffne mich wieder.
Schon beginnt das Rasen,
Flüssiges Silber.
Mein Kopf wird ganz gewiss
zerspringen.

Welch süße Empfindung
Beginnt sich auszubreiten.
Glücksel’ger Frieden.
Lichtfontänen.
Dann ist da nur noch –
Aaaah…

Bin ich der Gong?
Oder der Klang des Gongs?
Dann im Garten.
Schreiten in Seligkeit.
Wasserfall stürzend
durch mich.

Bin das ich
oder der Wasserfall?
Nicht ich, nicht du.
Nicht einmal wir.
Da gibt es nur eines.
Eins.

Zurück bei meinem Kissen,
sehe das Namensschild.
Mein Name steht darauf,
Aber wer ist das?
Ich lache los.
Ein Witz!

Später, liege ich
in smaragdnem Gras.
Sehe ein winziges Insekt –
schreitet so zart
auf unsrer Erde.
Liebe.

Reise vorüber.
Zeit für die Rückkehr.
Noch kann ich sie sehen –
das Geheimnis, die Stille.
Doch nun verblasst sie,
jede Stunde.

Frühstückszeit.
Wir reden wieder.
Erleicht’rung, Lachen.
Liebe für jene
auf dem gemeinsamen Weg.
Doch dieser Lärm!

Wieder im Leben.
Alles beim Alten.
Familie und Arbeit.
Äußerlich unverändert.
Etwas ist anders
in mir.

Da ist mehr Lachen
wenn ich mich betrachte –
wie ich reagiere, ernst bin.
Einfach das Menschliche.
Dass ich zu wissen glaube,
was richtig ist.

Etwas zu durchleben,
das auch Wahrheit ist,
und gelebt werden muss
so gut ich es vermag.
Doch es ist nicht mehr
das Ganze.

Kostbar ist ES.
Namenlos ist ES.
Verborgener Schatz.
Mögen alle ihn finden.
Auf dass ich nützlich werde,
segne mich.

 

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