Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Kontemplation, was ist das?

 

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JK-Innerhofer

Johanna Kaserer-Innerhofer

Kontemplation - was ist das?

Kontemplation ist eine innere Haltung, eine Form des Lebens, eine Unmittelbarkeit der Wahrnehmung und der Begegnung.

Kontemplation ist vielleicht die reinste Teilhabe am Leben.

Sie ist ein Erfahrungsweg. Erfahrung geschieht, wenn ich mich öffne, mich der Wirklichkeit öffne, ungeschminkt, mich nicht verstelle. Der Weg führt uns nicht in eine andere Welt, sondern dass wir anders da sind, anders sehen.

Nicht durch Denken komme ich zu einer neuen Erfahrung, sondern umgekehrt, durch innere Erfahrung komme ich zu einer neuen Denkweise.

Es führt uns weiter, wir können nicht mehr zurück. Es ist nur dieser Atemzug, dieser eine Augenblick, der das wahre Leben ist.

Alles ist in Bewegung und in ständiger Veränderung, es gilt, dies bewusst wahrzunehmen, „im Fluss des Lebens sein“.

Auf dem kontemplativen Weg geschieht es, dass wir mit ungelösten inneren Konflikten in Berührung kommen. Wir üben, unsere Schattenseiten anzuschauen, nicht zu bewerten und sie nicht zu verdrängen.

Wir lernen anzunehmen, was da so auftritt.

Wahre Kontemplation beginnt auf dem Marktplatz (Willigis Jäger). Wir werden konfrontiert mit dem Nächsten, mit der Umwelt, wir spüren das Leid, die Ungerechtigkeit gegenüber Menschen, Tieren und Pflanzen, aber wir spüren auch die Freuden des Lebens viel intensiver.

Auf dem Weg geht es nicht darum, spirituelle Erlebnisse zu haben oder besser als andere zu sein, sondern es gilt, die Wirklichkeit meines Lebens, wie es nun einmal ist, anzunehmen, uns auch der ständigen Vergänglichkeit und des Neuwerdens bewusst zu sein und zu erkennen, dass ich Teil dieser großen Wirklichkeit bin und nichts voneinander getrennt ist. Wir tragen Mitverantwortung für die ganze Welt.

Kontemplation führt uns also in die Tiefenerfahrung. Das Göttliche in uns will gelebt werden, es geht um mehr Leben (Willigis Jäger).

Der Übungsweg bezieht sich auf eine religiöse Erfahrung, die tiefer ist, als uns die Kirchen lehren. Der traditionelle Kirchgang erreicht die Herzen vieler Menschen nicht mehr.

Eine tiefe Sehnsucht führt sie dann oft zu Süchten (Kaufsucht, Alkohol usw.). Menschen suchen außen, und es befriedigt sie nicht.

Leider sind der mystische Weg und die Erfahrung der Mystiker in unseren Kirchen in Vergessenheit geraten. Sie müssen wachgerufen und wieder neu zugänglich gemacht werden.

Es ist die Erfahrung Gottes in uns, die als „unio mystica" bezeichnet wird.

Kontemplation, das Gebet des Schweigens, beeinflusst unser ganzes Leben, wie wir aufstehen, arbeiten, essen, Gespräche führen. Es vollzieht sich nicht nur auf dem Kissen. Unser ganzes Leben wird zum Gebet entsprechend dem Pauluswort: „Betet ohne Unterlass!“ Kontemplation ist also Erfahrungsweg, Veränderungsweg.

Wer in diese Erfahrung gelangt, erfährt sich als Einheit, Verbundenheit und Liebe (Willigis Jäger).

Johanna Kaserer-Innerhofer,
Kontemplationslehrerin Wolke des Nichtwissens, Referenzlehrer: Willigis Jäger

 

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