Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Kontemplation, was ist das?

 

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Fernand Braun

Fernand Braun

Kontemplation - Was ist das?

Diese Frage, worum es in der Kontemplation geht, ist nicht leicht zu beantworten. Kontemplation ist zuerst etwas durch und durch Praktisches. Das Wesen der Kontemplation erschließt sich mir, indem ich es tue! Das bedeutet zunächst, dass ich alles Meinen und Diskutieren hinter mir lassen muss. Denn alles Theoretisieren stößt schnell an Grenzen und kann nicht die wirkliche Fülle, worum es in der Kontemplation geht, erschließen. Hierin entstehen viele Missverständnisse und Vermittlungsschwierigkeiten.

Kontemplation im christlichen Sinne meint, eins zu sein mit dem Göttlichen in mir. Das Göttliche lebt in mir als mein Wesen! (vgl. Galaterbrief: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!“). Dieses Göttliche ist das, was in mir und in allem als „unerschaffene Wirklichkeit“ entgegenkommt, wenn ich mich ihm öffnen kann. Was aus mir hervorbricht, ist das, was ich in allem entdecken kann. Es ist nicht bloß eine Vorstellung oder die Phantasie einer enthobenen Frömmigkeit, sondern eine Erfahrung, in der sich mir etwas völlig Neues zeigt. Dieses göttliche Ereignis ist allerdings nicht etwas, das man irgendwo willentlich und jederzeit finden kann, sondern es ist jenseits des Fassbaren. Es ist etwas, was mich unvermittelt und plötzlich umgreift, wann und wie es will.

Es ist eine Wirklichkeit, die in jedem Augenblick anwesend, präsent ist. Und es hat eine solche Wirkung, eine verwandelnde Kraft, dass wir es nicht mehr ignorieren können. Wer bereit ist, sich dieser Wirklichkeit zu öffnen und stark genug ist, hat die Möglichkeit, von diesem Mysterium angerührt zu werden. „Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir, … wir sind von seiner Art.“ (Apg 17,28)

Kontemplation ist ein christlicher Weg zur Gotteserfahrung auf den Spuren abendländischer Mystiker wie Meister Eckhart, Johannes vom Kreuz und Theresa von Avila. Die Grundübung besteht

  • im schweigenden Verweilen in der Fülle des Augenblicks
  • im ständigen und geduldigen Loslassen aller Gedanken und Vorstellungen und
  • im vertrauensvollen Sicheinlassen auf den eigenen Wesensgrund.

Durch diese kontemplative Übung kann die Einheit mit dem göttlichen Urgrund in mir erfahren werden. Wenn ich der kontemplativen Übung im täglichen Leben Raum gebe, werde ich nicht mehr bekommen – aber ein/e andere/r werden und den wahren Sinn finden in allem, was ist!

Denn in allem strahlt mir das Göttliche entgegen – „der über allem und durch alles und in allem ist.“ (Eph 4,6)

Fernand Braun,
geb. 1960, verheiratet, zwei Kinder, Mitglied der spirituellen Leitung der Wolke des Nichtwissens, Initiatische Therapie, leitet eine Wohngruppeneinrichtung für autistische Menschen.

 

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