Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Kontemplation, was ist das?

 

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Ernst Aumüller

Ernst Aumüller

Kontemplation - was ist das?
Suche

Im Rückblick habe ich feststellen können, dass immer wieder eine Suchbewegung in mir ausgelöst wurde. Als zwölfjähriger bin ich früh morgens vor allen anderen aufgestanden und habe auf dem blanken Boden gesessen. In einer späteren Phase half mir der Rosenkranz zur Ruhe zu kommen. Danach lernte ich die Ignatianischen Exerzitien kennen.

Schließlich besuchte ich als zwanzigjähriger einen Zen-Einführungsabend bei Pater Lassalle und blieb danach eine Weile bei der Übung. Da es damals Ende der 1970er Jahre noch wenig Begleitung auf diesem Weg gab, brach ich das Experiment ab. Meine inneren Erlebnisse waren sehr heftig und ich erlebte sie als bedrohlich.

Doch immer blieb diese Sehnsucht, die mich weitertrieb – ich las bei Fritz Perls, dass er mit der Entwicklung der Gestalttherapie den Weg zur Erleuchtung und zum Hier und Jetzt beschleunigen und gewissermaßen abkürzen wollte – also begab ich mich studienbegleitend mit 23 Jahren in eine Gestalt-Therapie-Ausbildung, die ich noch während meines Studiums abschloss – dann folgte die Phase der Familiengründung und der ersten beruflichen Expansion.

Als ich Anfang vierzig war, brach das Bedürfnis den Weg nach innen zu gehen, bewusst wieder auf.

Entscheidung

Dieses Mal war es mir sehr ernst und ich wollte für meine Verhältnisse aufs Ganze gehen. So entschied ich mich, einen Einführungskurs in Kontemplation auf dem Sonnenhof zu besuchen. Die Strenge des Sonnenhofs beengte mich an diesem Wochenende sehr – das Sitzen kam mir unendlich lang vor und ich war erleichtert, als ich es geschafft hatte. Trotz dieser Unannehmlichkeiten spürte ich, dass es die richtige Richtung sein könnte, und so besuchte ich immer wieder Kontemplationswochenenden und irgendwann meldete ich mich für einen mehrtägigen Kurs an. Doch da kam ich schnell an meine Grenzen und ich musste am dritten Tag abbrechen. Ich nahm danach Willigis' Empfehlung auf und vereinbarte einen Termin bei Giselher Löffler, um mich von ihm beraten zu lassen. Sein Satz „realisieren sie endlich, dass sie bisher spirituell immer nur gescheitert sind“ und der Auftrag, regelmäßig in einer Gruppe zu sitzen, ermöglichten oder erleichterten ein Loslassen, das dann in eine „Nicht-ich-Erfahrung“ mündete:

Vögel zwitschern, der Wind rauscht – niemand, der es im zeitlosen Raum hört.

Das „mündete“ beschreibt hier nur die zeitliche Abfolge nicht eine logische oder notwendige Konsequenz.

Ich kann nicht mit Bestimmtheit sagen, ob und was diese Erfahrung in mir verändert hat. Gegenwärtig bleibt mir, dass die alltägliche Ich-Erfahrung nicht alles ist. Meine Motivation zu sitzen und dadurch eine Haltung zu schulen, die Achtsamkeit im Alltag immer mehr ermöglicht, wurde beständiger. Andererseits hatte ich nie das Gefühl, irgendwo angekommen zu sein.

 Übung und Alltag

Der Übungsweg ging weiter in dem Bewusstsein, damit gerade nichts erreichen zu wollen, außer in der Hingabe an das, was gerade da ist und auch zu tun ist. Natürlich fällt es mir inzwischen leicht, auch an längeren Kursen teilzunehmen. Wichtiger ist für mich aber meine Lieblingswege zu hinterfragen und auch sie loszulassen, wenn sich herausstellt, dass sie nur auf überholten persönlichen Mustern aufbauen. Lange erlebte ich zwei Welten in mir, beinahe hätte ich gesagt – zwei Personen, die Person im Kurs oder in der Übung des Sitzens und die andere im Leben. Beides zu integrieren und zusammenzubringen ist die eigentliche Herausforderung, und ich habe da nie einen Automatismus erlebt. Die Achtsamkeit im Alltag wurde und wird mir nicht einfach geschenkt – auch hier erfordert es meine Hingabe und immer wieder eine klare Entscheidung – immer wieder und immer von vorne. Im Alltag erlebe ich aber auch, wie ich mit mir und mit meinem Umfeld umgehe, und hier habe ich, wenn ich achtsam bin, doch einen viel größeren Entscheidungs- oder Spielraum, wie ich mich von meinen Stimmungen und Gedanken beeinflussen lasse und mit welcher Haltung ich mir und anderen begegne.

Hier beginnt meine Verantwortung – als Antwort auf meine Erfahrung und Achtsamkeit oder anders ausgedrückt: Ich kann aus dieser inneren Bewusstheit heraus angemessener auf das Leben antworten.

Schließen möchte ich mit dem Zitat eines Buchtitels von Ayya Khema „Ohne mich ist das Leben ganz einfach“

Ernst Aumüller,
Dipl.-Pädagoge, Lehrer der Wolke des Nichtwissens – Kontemplationslinie Willigis Jäger, Abteilungsleiter in der Personalentwicklung des KIT für Führungskräfte und Top-Management.

 

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