Würzburger Forum der Kontemplation e. V. (WFdK)

Kontemplation, was ist das?

 

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Angela Pena

Ángela Peña

Kontemplation - was ist das?

Kontemplation ist für mich Gottessuche und Gottesbegegnung.

Gott ist im christlichen Kulturraum der Name für das absolut Höchste, der unerschaffene Ursprung. Diese Begriffe sind mir erst nach dem Geschehen bewusst geworden.

Die Gottessuche ist in uns angelegt. Die Worte von Ernesto Cardenal erzählen davon: „Unsere Seele kann mit nichts gefüllt werden als mit Gott … , obwohl wir Gott nie gesehen haben, sind wir wie Zugvögel, die an einem fremden Ort geboren, … eine Sehnsucht nach der frühlingshaften Heimat empfinden, zu der sie aufbrechen, ohne zu wissen wohin.“

In dieser Sehnsucht nach unserer wahren, zeitlosen Heimat ist das Wort „Suche“ enthalten. Die Gottessuche beginnt mit diesem „Aufbrechen“ zu dem Ort hin, an dem wir uns ganz geborgen und erfüllt fühlen.

Wie kann dieses Aufbrechen beginnen?

„Lasst ab und erkennt, dass ich Gott bin, …“ (Psalm 46, 11) „Lasst ab“ deutet auf etwas hin, dass ich machen kann, auf eine Praxis, die erkennt, dass etwas geschehen kann, um Gott zu erfahren.

Bei der Praxis geht es um eine innere Einkehr. ein sich auf Gott ausrichten, wie Johannes vom Kreuz schreibt: „Die Schöpfung vergessen. Sich an den Schöpfer erinnern. Achtsamkeit nach innen und in Liebe zum Geliebten verweilen.“

Auch er spricht von der Sehnsucht der Seele nach Gott, die Seele als Geliebte und Gott als Geliebten. In der Tat geht es darum, sich Zeit zu nehmen, um still zu werden und in der Stille zu sein. Es ist ein Offensein, Dasein, Geschehenlassen. Immer wieder loslassen von Gedanken, Gefühlen und Sinneswahrnehmungen. Dieses ganz gegenwärtig sein kann auch im alltäglichen Tun geübt werden.

Am Anfang der Praxis ist es für mich wichtig gewesen, einen Lehrer zu haben, der mich anleitete und mir half, mich von Hindernissen zu befreien und Irrtümer zu vermeiden. Zeiten des Alleinseins und Schweigens haben mir auf diesem Weg geholfen, sei es in Kursen, in einer Einsiedelei oder auf Pilgerwegen. Auch die Ausbildung in Transpersonaler Prozessarbeit war eine wichtige Stütze.

Die Gottesbegegnung ist ein Geschenk. Wann und wodurch sie geschieht, bleibt für den Menschen ein Geheimnis. Dieses Geschenk kann inmitten des alltäglichen Lebens stattfinden. es ist das Erleben einer Dimension außerhalb des Ich-Bewusstseins, eine unvorstellbare Einheit, die alles verbindet. Diese Dimension ist eine Realität, die zeitlos ist, ein absolutes Bewusstsein, unendliche Stille und Liebe.

Danach bleibt der Mensch im Staunen und tiefer Freude. Seine Lebensansicht verändert sich, jetzt ist alles wichtig und gleichzeitig wie ein Film, der die tragende Leinwand unberührt lässt. Es führt zu einem anderen Dasein in der Welt, um zum Beispiel verantwortungsvoller mit der Schöpfung umzugehen.

Gottesbegegnung bereichert und erfüllt. Mögen alle Menschen Gott begegnen und erkennen!

Geborgen

Zeichnung von Walter Hörnstein

„Bei Gott bin ich geborgen still wie ein Kind, bei ihm ist Trost und Heil. Ja, hin zu Gott verzehrt sich meine Seele, kehrt in Frieden ein.“

Taizé

Ángela Peña,
geb. 1955, verheiratet, ein Sohn, Kontemplationslehrerin der Wolke des Nichtwissens.

 

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